Dienstag, 8. April 2014

Within Temptation mit Hydra im Gepäck

Within Temptation gastierten gestern auf ihrer World Tour in München – genauer gesagt im Zenith – und hatten neben ihrer Hydra auch Delain als Support im Gepäck.

Die Fakten: Within Temptation, Sonntag, 6. April 2014, Zenith, München, Support: Delain.



Zenith … eigentlich hatte ich mir geschworen – so nicht Mr. Manson and Rob Zombie themselve sich dort die Ehre geben –, diese Location nicht wieder zu betreten: Zu einschneidend waren bis dato die negativen akustischen Erlebnisse. Einzig die Tatsache, dass das letzte Konzert von Within Temptation in eben diesem Zenith zu den besser abgemischten Konzerten gehört hat, ließ mich dazu überreden, einen entspannt unterhaltsamen Konzert-Sonntagabend zu erwarten. Ich sollte eines Besseren belehrt werden …



Im Vorfeld haben mich die zeitlichen Angaben für diesen Konzertabend ersteinmal verwirrt: 19.30 Uhr Einlass und 21 Uhr Beginn … an einem Sonntagabend … mit Vorband … ? Äußerst seltsam. Die Vermutung, dass der Support Delain bei diesen Angaben völlig unterschlagen wurde stellten sich als richtig heraus: Delain betraten um 20.10 Uhr die Bühne des Zenith und wärmten das Publikum ordentlich auf. Krachender Sound … ganz schön laut … und damit ganz schön unschön gemischt … und die Stimme der Frontfrau erfüllten das Zenith.
Jeder, der etwas sensibel auf zu viel weibliche Stimme reagiert, wurde während dieser "Aufwärmphase" mehrfach maltretiert: Häufig hatte ich das Gefühl, dass die Sängerin ihre Stimme in Höhen schrauben musste (?), die weder ihre Stimme noch meinen Ohren gut tat. … In tieferen Regionen durchaus überzeugend und wohlklingend, nervte mich die Stimme nach einiger Zeit doch deutlich. Gut. Geschmackssache. Ich persönlich finde es schade, und da ich Delain aus der Konserve nicht kenne, kann ich auch nicht beurteilen, ob dies ein reines Live-Phänomen ist.

Eine weitere Irritation folgte dann um kurz nach Neun: Ein "Metal-Moser" stellt sich auf die Bühne, um Within Temptation anzusagen, um sich und seinen Radiosender zu beweihräuchern, die Band bereits vor vielen Jahren 'entdeckt und supportet' zu haben, um allen Ernstes zwischen seiner Quacksalberei einfließen zu lassen, dass es ihn Stolz mache, dass Within Temptation 'so gut geworden seinen' … ??? WTF?! … was bitte heißt da gut geworden sein? Gut, was das heißt, ist klar: der Radiosender hat Erfolg damit – das ist gut … für den Radiosender!
Versteht mich nicht falsch: Support durch die Medien ist gut, und ohne geht kaum etwas, wenn eine Band breites Publikum erreichen will. (Lassen wir jetzt einfach mal die Fragestellungen nach Freiwilligkeiten und gegebenenfalls fließenden Geldern außer Acht …) Aber muss man – in Form eines Radiomoderators – das dann zu Selbstbelobigung nutzen?
Zugegeben: Die Präsentation dieses und eines weiteren Senders sowie die Werbung im Fernsehen haben durchaus Wirkung gezeigt, was am Publikum sehen konnte … Schwamm drüber: es geht um die Musik.

Und die folgte dann. Mit einem schicken Bühnenbild, den zwei Hydraköpfen, die den oberen Teil der Bühne und den überdimensionalen Bildschirm umrahmen. Viel Licht, Filmsequenzen auf der Leinwand und einem fantastischen Bühnenbild. Es wird laut. Sehr laut. Viel zu laut … ! Die Übertragung von Sharons Stimme wird nach den ersten Tönen recht gut eingestellt, doch sobald die komplette Band einsteigt oder aber ihre Stimme sich in die Höhen schraubt, ist der Sound einfach nur noch laut. Solange man nicht bereits 95 Jahre auf em Buckel und eigentlich Hörgerätträger ist (dieses sollte man dann aber zu Hause gelassen haben), ist die Lautstärke ohne beginnende Schmerzen Gehörgängen kaum zu ertragen!
Hallo? Liebe Tontechniker dieser Welt: Ist es wirklich sooo schwer, diesen Job vernünftig zu erledigen?!
Ich habe nichts gegen laut. Gute Musik in laut ist super! Aber wenn es erstens so laut ist, dass der Sound nicht mehr zu verarbeiten ist, dann hört sich das nicht gut an. Und er zweitens so laut ist, dass da nichts mehr zu mischen ist, dann hört sich das einfach nicht gut an. Alle Regler einfach nur aufzudrehen, hat nichts mit Tonmischen zu tun! Guter Sound ist nicht einfach nur lauter Sound!
Lieber Tontechniker: Dass Du keine 95 und taub bist, davon habe ich mich nach dem Konzert selbst überzeugen können (zumindest was das Alter angeht). Was bitte bringt Dich dazu … Du stehst doch mittendrin?! Warst Du gestern so verzweifelt, dass Du die Macht einfach mal schamlos ausgenutzt hast, und so richtig männlich subbatoll monströs richtig Lärm gemacht hast?

Ich weiß wirklich nicht, was das soll - sowas macht Konzerte einfach kaputt.
Wenn ich fünf bis zehn Euro für ein kleines Undergroundkonzert zahle, nehme ich schlechten Sound und dilettantische Technik gerne schon mal in Kauf.
Aber ein Konzert dieser Größe, mit derlei professionellen Ambitionen … nein, das geht nicht!
Eigentlich gehört der Ticketpreis beim Veranstalter wegen nicht vorhandenem Sound (das war Lärm!) zurückgefordert!



Ob nun Symphonic Rock oder Symphonic Metal oder welche Schublade auch immer: Harte melodische Klangwelten mit weiblicher Stimme (und Stimme sei hier wörtlich gemeint), da macht Within Temptation so schnell niemand etwas vor. Mit  Licht, Film und Bühnenbild liefern sie eine ganzheitliche Show, die auch in der allerletzten Reihe noch Eindruck hinterlässt.
Einzig in der Auswahl qualifizierter Techniker und/oder geeigneter Locations zeigt sich hier ein großes Defizit, was aber scheinbar eine Branchen-Krankheit ist oder aber darauf schließen lässt, dass es auf dem Markt keine guten Techniker gibt …

Zum Schluss hat die Band ein (heutzutage scheinbar obligatorisches) Rudel-Selfie mit Publikum gemacht. Sobald dieses in den einschlägigen Social-Media-Kanälen auftaucht, wird es diesen kleinen Artikel schmücken dürfen …
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Ein schöner Bericht mit vielen Fotos und damit Eindrücken der tollen Show