Sonntag, 30. Dezember 2012

Jahresabschluss mit "bayerischem Abend" in Sachsen

28.12.2012 Alter Schlachthof, Dresden
EISBRECHER – Jahresabschlusskonzert
mit Special Guests: MAERZFELD + SCHÖNGEIST



Viel zu vollgefuttert über die Feiertage stellt sich die Frage, was mit den letzten Tagen im Jahr 2012 anzustellen ist. Eine Frage, die sich schnell und spontan beantworten lässt: 17 Konzerte und 1 Festival – und dieses Jahr hat dabei bereits eindrucksvolle Gigs des Eisbrechers geboten (Höllentour II, Höllentour), die Möglichkeiten, Schöngeist live zu erleben sind viel zu selten (VIII. Amphi Festival 2012), Auszeit vom Alltag muss immer mal wieder her, die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen noch nie bereist, also ab auf die Piste und einen "kleinen Umweg" gefahren …



Dresden empfängt mich eisig (rein auf die Temperaturen bezogen!), aber mit einer traumhaft illuminierten Kulisse

… und dem einzigartigen Ambiente, das nur Locations in alten industriellen Gebäuden zu bieten haben.



Der Alte Schlachthof füllt sich langsam, der eigentliche Veranstaltungsraum noch gemächlicher, da mit ausreichend Räumlichkeiten drumherum für "Auslauf" gesorgt ist. Dafür hängt in der Halle ein wenig Nebel – vermutlich vom Test des CO2-Equipments (ich freu mich schon) – und entspanntes Warten in der Luft. In genau dieser Atmosphäre hüpft Alex Wesselsky unter Jubeln und Kreischen (wie sollte es anders sein) auf die Bühne, um das Publikum zu begrüßen, einen "Bayerischen Abend" (mit drei Bands aus Bayern) und den ersten Special Guest, die Band Schöngeist, anzukündigen.

Die Sechs haben nun die Aufgabe, das entspannte Warten in die richtige Stimmung für den Jahresabschluss zu wandeln. Leider haben zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle den Weg vor die Bühne gefunden, es ist gut, aber nur locker gefüllt. Schöngeist legt einen super Auftritt aufs Parkett, hat zwar mit ein paar technischen "Macken" zu kämpfen, die nicht weiter ins Gewicht fallen, einzig die rückkoppelnden Höhen sind mitunter ein wenig nervig (und ich frage mich, ob der Tontechniker diese Töne vielleicht gar nicht mehr vernimmt?) und trüben den ansonsten fetten Sound, der mal ein positives Beispiel dafür ist, dass Live-Musik nicht nur laut und in Brei enden muss – alle Instrumente, selbst die Geige, sind deutlich zu vernehmen (Kompliment!):
In den vorderen Reihen wird kräftig mitgefeiert, bis zur Mitte des Raumes ist das sächsische Publikum zum Mitwippen, Klatschen etc. zu animieren, weiter hinten kann man die Reaktion eher als wohlwollendes Abwarten bezeichnen. Timur hält sich nicht groß mit Ansagen oder Kommentaren auf ("keine Zeit zu verlieren"), einzig gegen Ende ihres Auftritts lässt er es sich nicht nehmen, sich ausführlich für die Einladung bei Eisbrecher und natürlich dem Publikum zu bedanken.

Nach Kurzem Umbau-Gewusel auf der Bühne, lässt sich Alex dort wieder blicken, um die Franken von Maerzfeld anzukündigen, die einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad haben, füllt sich doch die Halle stärker, was nicht zuletzt sicher auch an Uhrzeit und ihrem "Fanclub" in den vorderen Reihen liegt.
Der Sound ist noch ein bisschen fetter, und führt unweigerlich zu Live-Bildern von Rammstein im Kopfkino – kein Wunder, da sich die Herren doch mit ihrem Projekt "Stahlzeit" als Rammstein-Tribute verdingen.
Ich habe das Gefühl, der Zuspruch nimmt im Laufe des Konzertes ein wenig ab. Mir persönlich bietet der Sound nach einigen getrageneren Songs zu wenig Abwechslung, und gegen Ende Ihres Auftritts "missbraucht" ihr Frontmann den fetten Sound, um brachial laut Animation zu betreiben und Zuspruch zu fordern (ob das aus dem Gefühl heraus entstanden ist, das Publikum aufzuwecken?). Insgesamt hinterlassen Maerzfeld einen routinierteren Eindruck als Schöngeist, können aber musikalisch nicht mehr bieten (gut, das ist zum Teil Geschmacksache).
Nach neuerlichem fleißigen Gewusel auf der Bühne, und ein wenig zu langen Wartens (ich hatte das Gefühl, hier sollte genau nach Zeitplan begonnen werden, was meinen Eindruck verstärkte, dass das Set von Maerzfeld kürzer als das von Schöngeist ausgefallen war, eventuell sogar kürzer als geplant?) wird es dunkel …

Die Location ist nun sehr gut gefüllt, ohne dass man sich wie in einer Sardinen-Dose fühlt, der bekannte tangoeske Sound füllt und spartanische Lichter erhellen den Raum, der Eisbrecher betritt die Bühne, Herr Wesselsky mit der passenden und obligatorischen Rose … und dann knallen sie uns den Exzess Express um die Ohren … der Gig bietet wenig Überraschendes (für mich, der bereits die Höllentour in Part 1 und 2 sowie einen Festival-Auftritt in dieser Saison mitgenommen hat), dafür aber bin ich von der Stimmung in Dresden mehr als überwältigt. Was genau das ausmacht, kann ich nicht sagen, einzig die Atmosphäre zwischen Band und Publikum hat ein wenig Mehr als bei den vorangegangenen Eisbrecher-Gigs.
Alex bandelt mit "Babba" an (oder war es anders herum?), so weit, dass er ihm seine Krawatte überlässt, eine After-Weihnachts-Geschenk-Tüte eines Fans (vermutlich vielmehr einer Fan'in?!) findet ihren Weg auf die Bühne, und die enthaltenen Plüsch-Tierkopf-Mütze auf des Bassisten Kopf, Jürgen wird von Alex und Pix auf die Knie gerungen, die Amok-Tonnen kommen zum Einsatz, ebenso wie die Metall-Anzüge, und die CO2-Fontänen schießen (nicht ganz so synchron wie in Memmingen – schade) zu "This is deutsch" in die Höhe … ein Eisbrecher-Konzert, wie man es kennt: unterhaltsam, laut, bunt, warm – einzig mit dem Wermutstropfen des im Krankenhaus verweilenden Schlagzeugers, der aber würdig durch Schöngeists Trommler Manuel vertreten wurde, den das Publikum zusammen mit Pix und Alex nach so kurzer Einarbeitung dann auch gebührend feiert!

Ein würdiger Jahresabschluss, der Lust auf mehr macht, und die Erwartungen ans Jahr 2013 schürt!